275. GRENZBEZIEHEN
Vom Schnedegehen zum Grenzbeziehen
Als Uelzen im Jahre 1270 die Stadtrechte erhielt, übereignete der Graf von Schwerin der Stadt eine ausgedehnte Holzmark, die später "Uelzer Wald" hieß. Da der Wald zu damaligen Zeiten einen hohen Wert hatte, wurde er von den Uelzer Bürgern ausgiebig genutzt. Das Holz wurde zum Bauen, zum handwerklichen Gebrauch und zum Heizen genutzt. Das zwischen den Waldstücken gelegene Brachland wurde zur Beweidung, hauptsächlich Schweinemast, freigegeben. Ferner besaß die Stadt das Jagdrecht in ihrer ausgedehnten Holzmark. Da die Bürger das Jagdrecht nicht voll ausnutzten, begann das Geschlecht von Estorff aus Veerßen im Uelzer Wald die Jagd auszuüben. Diese Jagd und auch die Nutzung der Weiden durch die umliegenden Gemeinden führte zu umfangreichen Prozessen. Da der städtische Besitz gegenüber den nachbarlichen Holzmarken durch eine Schnede, diesesWort ist von schneiden abgeleitet denn die Schnede schnitt aus dem Allgemeinbesitz der Dorfschaften das Eigentum der Stadt heraus, begrenzt war, kam es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten. Besonders der Adel und die Ritterschaft der umliegenden Dörfer versuchten immer wieder Eigentumsrechte geltend zu machen. Daher legte Herzog Ernst 1532 durch einen Rezeß die Grenzen in allen Einzelheiten fest.

Anhand markanter Bäume, Erdhügeln und Grenzsteinen wurde nun die Grenze sichtbar gemacht. Seit diesem Jahr kontrollierten die Uelzer Schützen die Grenzmarkierungen auf ihre Unversehrtheit und richtige Lage. Da sich bei diesen Grenzbegehungen Trompeter auf die Schnedehügel stellten und ihre Fanfaren erschallen ließen und die Schützen aus ihren Rohren feuerten , wertete der Hauptmann von Estorff dieses als kriegerischen Akt und unterstellte den Uelzern, sie würden die Grenzsteine verrücken. Weitere Klagen auf Landfriedensbruch folgten, aber die Geschichte des Schnedegehens, des heutigen Grenzbeziehens, nahm ihren Lauf. Bis 1780 wurde der Schnedegang jährlich durchgeführt. Da sich nun die Auseinandersetzungen über den Grenzverlauf legten wurde dieser nur noch alle vier Jahre kontrolliert. Ab 1816 wurde er symbolisch nur noch alle 10 Jahre durchgeführt. Da der historische Hintergrund dieser Veranstaltung immer mehr in Vergessenheit geriet, entschloß sich der Gildevorstand 1920 das Grenzbeziehen hinfort alle fünf Jahre durchzuführen. Unter Teilnahme der Bevölkerung entwickelte sich das Grenzbeziehen zu einem Heimatfest. Noch heute zieht die Gilde unter klingendem Spiel an der Grenze entlang in den Uelzer Wald und kontrolliert die noch vorhandenen Grenzsteine. Im großen Buchenholz wurde 1914 der sogenannte Schützenstein mit der Inschrift: "1547 - 1914 Uelzener Schützengilde" aufgestellt. 1547 ist das älteste aus der Chronik bekannte Jahr in dem ein Schützenfest gefeiert wurde. Im Jahr 2000 wurde der Schützenstein mit dem alten Uelzener Stadtwappen versehen. Dieser Stein ist heute noch das Ziel des Grenzbegehens und um ihn herum findet als Abschluß ein lustiges Treiben statt. Dieses symbolische Abschreiten der alten Stadtgrenzen ist wohl einmalig in seiner Art in der Bundesrepublik Deutschland.
Wie man aus dieser kurzen Abhandlung ersehen kann, wurde das Grenzbeziehen nicht kontinuierlich durchgeführt. Unsere Berechnung hat nun ergeben, dass sich im Jahre 2005 das Grenzbeziehen zum 275. Mal jährt. Dieses Jubiläum allein wäre Grund genug ausgiebig gefeiert zu werden. Es wurde aber auch als Anlaß genommen um das 16. Bundestreffen der ältesten Schützenvereinigungen im Deutschen Schützenbund in Uelzen stattfinden zu lassen.
|